Seien Sie willkommen

  • Wer bin ich?
  • Woher komme ich?
  • Wohin gehen wir?
  • Was ist der Sinn des Lebens?
  • Wie sollen wir es leben? –

Oder wie Immanuel Kant die Fragen stellte:

  • Was kann ich wissen?
  • Was soll ich tun?
  • Was darf ich hoffen?
  • Was ist der Mensch? –

Irgendwann im Leben stellt sich nach meiner Erfahrung jeder Mensch solche oder ähnliche Fragen zu seiner und unser aller Existenz.

Viele, wenn nicht die meisten Menschen, suchen Antworten auf grundsätzliche Fragen unseres Daseins in der Religion in welche sie hineingeboren, zu welchen sie von ihren Eltern erzogen wurden oder welche sie für sich irgendwann angenommen haben. Dies meist verbunden mit der Hoffnung auf ein besseres Sein in einem – wie auch immer gearteten – Jenseits.

Meine Entwicklung ging in die entgegengesetzte Richtung. Zwar getauft und auch konfirmiert, vermochten mich die märchenhaften Welterklärungen der Priesterscharen nie zu überzeugen. Schon deshalb nicht, weil ich auf Erden nicht einen einzigen Menschen kenne, welcher dem Ideal der christlichen Lehre auch nur ansatzweise entspräche, um sich zurecht Christ nennen zu dürfen. Dies, weil ich niemanden kenne, der entsprechend den Vorgaben der Feldpredigt (Bergpredigt) des wirklich leben wollte (Feindesliebe, linke/rechte Wange, Verzicht auf materielles Hab und Gut usw.). Für alle anderen Offenbarungsreligionen gilt das Nämliche. Es fällt mir schwer, zwischen Irrsinnigen und für ihre “Götter” gar mordende Fromme eine Trennlinie zu finden.

Aber irgendwann, ich war vielleicht 30 Jahre alt, traf ich auf einen Lebensstil, der für Viele geheimnisumwittert ist und deshalb auch von verrückten Verschwörungstheorien, vor allem im Internet, begleitet wird. Ich spreche von dem Lebensstil des Freimaurers.

Mich faszinierte daran: Freimaurerei geht einen anderen Weg, um schlüssige Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen des Lebens zu finden. Freimaurerei ist keine Religion – und sie will auch keine sein. Freimaurerei befasst sich nicht mit Jenseitsversprechungen. Sie nennt keine Götter beim Namen. Aber Freimaurer halten ein “höheres Prinzip”, als Ursache und Zweck für alles Seiende, für wahrscheinlich. Sie benennen dieses Prinzip in den anglophonen Ländern symbolisch als “The Great Architect of the Universum”. Dieses “Supreme being” nennt man im deutschsprachigen Raum den “Großen oder All-mächtigen Baumeister aller Welten”. Mit “all-mächtig” ist aber nicht a priori ein alleskönnender “Gott” gemeint, sondern es steht undefiniert für jene Macht, welche im Universum als schöpfend erkannt wird. Das werden für gläubige Menschen leider nach wie vor ihre vielen “Götter” sein, die sie so mit sich herumschleppen, für Monotheisten wohl nur der eine, grausame “Gott Abrahams”.

Für andere kommt, nach allem was uns die Astrophysik derzeit lehren kann, die Gravitation der Massen dieser schöpferischen Macht im Universum am nächsten. Und die aktuellen Erkenntnisse aus der Quantenphysik lassen inzwischen sogar die Möglichkeit zu, dass das Weltganze ein ewiges Bewusstsein besitzt und wir nur ein Teil davon. Doch was jeder einzelne Freimaurer unter diesem Symbol des verstehen mag, es ist allein ihm selbst überlassen.

Freimaurer kann nach der Tradition* jeder “freie Mann von gutem Ruf” werden, sei er nun nur vage religiös, konfessionell gebunden, Agnostiker, Atheist oder gar Heide. Seine religiösen Bindungen sind nicht von Interesse, manchmal vielleicht sogar hinderlich. Er Willens sein, sich selbst an ethische Werte zu binden, an Werte, in welchen alle Menschen übereinstimmen. Er sollte anerkennen, dass es da etwas gibt, einen noch unbekannten Urgrund, aus dem alles Seiende entstand, alles Kommende entstehen wird – und in das alles Gehende wieder zurücksinken wird. Dieses ewige Werden und Vergehen ist ein ganz zentraler Aspekt in der Freimaurerei.

(*Anmerkung: Tradition ist das Eine, Moderne das Andere: Seit längerem gibt es auch schon Logen für Frauen und gemischt arbeitende Logen)

Diskussionen über Religionen sind in den Freimaurerlogen verpönt, da sie vor allem eines leisten: Menschen von einander zu trennen, sie auszugrenzen, oft gegeneinander zu treiben. Freimaurerlogen befassen sich auch nicht mit profanen, parteipolitischen Themen, da diese, wie Religionen, Menschen oft unversöhnlich werden lassen. – Dies aber gewiss ohne die Augen vor den drängenden Probleme, die auch politisches Handeln tagtäglich bereitet, zu verschließen. Freimaurer versuchen im Kleinen Lösungsansätze im Umgang miteinander zu finden, die möglicherweise Modelle für die ganze Menschheit werden können. Humanitäre Freimaurerei ist der steten Aufklärung verpflichtet, ist sowohl ihr Kind als auch ihre Mitursache. Der Schlachtruf der Französischen Revolution, “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit” entstammt dem Ideenpool der Freimaurerei.

Wenn humanitäre Freimaurerei keine Religion ist, auch nicht sein will, sich auch nicht mit Religionen befasst, was ist denn sie dann? – So könnte man zurecht fragen. Am besten beschreibt man sie wohl als ethisch ausgerichteten Lebensstil im Streben nach Harmonie und Erkenntnis.

In Dogmen verhaftetes Denken, Vorurteile, Hass, Neid, Eitelkeit, Zorn, Habgier, Maßlosigkeit, Lüge und Mitleidslosigkeit, diese wenig schmeichelhaften menschlichen Eigenarten zu überwinden, dafür ist für den Einzelnen die Freimaurerei nun schon fast 300 Jahre eine bewährte Methode. Ja, eine Methode! Freimaurer versuchen den vorgenannten Eigenschaften das Bemühen um Toleranz, Brüderlichkeit, Liebe zu den Menschen und zur Natur entgegenzusetzen. Wer selbst sich redlich darum bemüht befindet sich bereits auf dem Weg zum „Emerek“, zum “Wahren Menschen”, der eigentlichen Bestimmung unserer Spezies.

Zusammengefasst: Freimaurer befassen sich mit dem Diesseits, mit dem Jetzt, dem Hier und Heute. Sie nehmen Lehren aus der Vergangenheit zum Anlass, um daraus zu lernen, um im Jetzt das Richtige zu tun und, um der Menschheit Anregungen für einen guten Weg in die Zukunft zu geben. Der Fokus liegt dabei aber immer auf der Gegenwart, denn nur sie allein ist real und kann gestaltet werden.

Die Vergangenheit hingegen ist Geschichte, sie ist vorbei. Sie ist wie sie war, wir können sie nachträglich nicht mehr ändern, allenfalls verleugnen. Die Zukunft wiederum ist Spekulation, eine Annahme nur, von der wir nicht wissen was sie uns bringen wird. Nur in der Gegenwart, im Hier und Jetzt, ist es uns möglich aktiv zu handeln, um so unseren Beitrag zu leisten, die Zukunft in gedeihliche Bahnen zu lenken. Doch sicher ist auch dieses nicht. Deshalb wird es umso wichtiger, unsere ganze Aufmerksamkeit der Gegenwart zu widmen. Das fällt vielen Menschen gar nicht leicht. Oft verbringen Sie ihre Gegenwart – tagein, tagaus – mit Grübeln über das Erlebte vergangener Tage, Wochen, Monate und Jahre. Sie hängen den schönen Erlebnissen ebenso nach wie den schrecklichen, tragen oft dauerhaft Groll oder Melancholie in sich.

Andere haben wiederum Angst vor der Zukunft, Angst davor, dass etwas Schreckliches geschehen könnte, dass man selbst oder ein geliebter Angehöriger erkranken oder einen Unfall erleiden oder gar vorzeitig sterben könnte. Menschen, die nicht vergessen können und jenen, die  angstvoll in die Zukunft blicken ist gemein, dass ihre Gedanken gefesselt sind und ihnen für das einzig Reale, die Gegenwart, gar keine Zeit bleibt.

Dieses Webangebot ist verfasst aus Sicht der humanitären Freimaurerei. Es wird keine vorgefassten Rezepte enthalten, die man nur “nachkochen” müsste. Aber die Texte können vielleicht Anregungen für neue Denkmodelle aufzeigen, welche dem Einzelnen helfen mögen, seine eigenen Rezepte für ein Streben nach Wissen, Weisheit und Harmonie und für seinen Weg hin in ein Menschenleben als Wahrer Mensch zu finden.

In diesem Sinne: Seien sie mir willkommen.

Kurt O. Wörl
Redaktionsleitung

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