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    Der symbolische Bund der Freimaurer
    und seine Feinde
    ,

    verlegt vom Salier-Verlag, vor.

    (ISBN: 978-3-943539-86-8, 1. Auflage 2018).

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Vom Streben nach Zufriedenheit

aus "Colloquia familiaria" des Erasmus von Rotterdam.
Ein Gespräch mit Glycion

Zufriedenheit“Überdurchnittliches Glück pflegt auch von Neid begleitet zu sein, der Mittelweg ist davor si-cher. Ich war stets da-rauf bedacht, mir keiner-lei Vorteile aus anderer Leute Schaden zu ver-schaffen.

Ich habe stets ein beschauliches Leben über alles geliebt, wie die alte Griechen es nennen. Auf abwegige Geschäfte habe ich mich nicht eingelassen, vor allem aber ließ ich die Finger von allem was nicht abgehen kann, ohne dass man viele gegen sich aufbringt. Wenn daher ein Freund Hilfe brauchte, habe ich ihm so geholfen, dass ich mir dadurch niemand zum Feind machte.

Entsteht irgendwo ein Groll gegen mich, so beschwichtige ich ihn, indem ich mich rechtfertige, schaffe ihn durch Gefälligkeiten aus der Welt oder lasse ihn auf sich beruhen, indem ich so tue als merke ich nichts davon.

Von Streitigkeiten halte ich mich immer fern; kam’s aber doch dazu, so habe ich lieber Geld verloren als Freunde …

Ich beleidige keinen, zeige jedermann ein freundliches Gesicht und grüße liebenswürdig nach allen Seiten.

Ich lasse jedem seine Meinung, ich urteile nicht abfällig über das, was ein anderer angerichtet oder getan hat, überhebe mich gegenüber niemandem und habe nichts dagegen, wenn jedem Narren seine Mütze gefällt.

Was ich verschwiegen haben will, vertraue ich niemandem an. Ich dränge mich nicht in anderer Leute Geheimnisse, erfahre ich aber von ungefähr etwas dergleichen, so schwatze ich es nicht herum.

Über Abwesende schweige ich oder ich rede freundlich und verbindlich von ihnen. Ein gut Teil der Feindschaften unter den Leuten entsteht aus mangelnder Beherrschung der Zunge. Fremde Streitigkeiten schüre und nähre ich nicht, sondern wo immer sich Gelegenheit ergibt, suche ich sie beizulegen oder versöhnend zu wirken. Auf diese Weise bin ich bis heute der Missgunst entgangen und habe mir die Gewogenheit meiner Mitbürger erhalten.

Ich habe meinen Charakter geschult, nichts leidenschaftlich zu hassen oder zu wünschen. So kommt es, dass ich nicht überheblich und übermütig werde, wenn mir ein Glück zufällt, und dass ein Verlust mich nicht übermäßig niederschlägt.

Wenn Widerwärtigkeiten mein Gemüt befallen, wie das im Menschenleben vielfach der Fall ist, schlage ich sie mir kurzerhand aus dem Sinn, gleichviel, ob man mich erzürnt hat oder ob mir eine unverdiente Behandlung widerfahren ist.

Ich lasse es nicht zu, dass sich etwas in meinem Gemüt festsetzt. Kann ich Abhilfe schaffen, so tue ich es, wenn nicht, so denke ich bei mir: was soll ich mich ärgern, das macht die Sache auch nicht besser.

Kurz gesagt, ich lasse die Vernunft sich gleich mit dem abfinden, wozu ich mich im Laufe der Zeit doch durchringen müsste. Sicherlich aber ist kein Herzeleid so groß, dass ich es mit mir zu Bett gehen ließe.“

Gefragt, ob Glycion nicht zuweilen die Furcht vor dem Tod plagt, antwortet er:

„Nicht mehr, als der Tag der Geburt einem Kummer macht. Ich weiß, dass ich sterben muss. Eine solche Sorge würde mein Leben vielleicht um ein paar Tage verkürzen, verlängern könnte sie es gewiss nicht.

Diese ganze Sorge habe ich daher dem Himmel anheim gestellt; ich selbst kümmere mich um nichts anderes, als dass ich gut und angenehm lebe. Es kann aber keiner angenehm leben, der nicht gut lebt.“

KOW

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