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Über das Glück

Zum Gedenken an Matthias Große (verstorben 2005)

Glück_Fortuna„Ich soll heute zum Thema „Glück“ spre-chen. – Unendlich vieles könnte ich zu diesem Thema sagen. Stunden-lang könnte ich Euch mit mehr oder weniger erträglichen philosophi-schen, mystischen, uto-pischen und noch viel schlimmeren verbalen Ergüssen zum Thema „Glück“ malträtieren. Aber seid ganz unbesorgt. Ich werde es nicht tun. Nur ein paar Anmerkungen.

  • Zum Erinnern oder Vergessen,
  • zum Beherzigen oder Nichtbeherzigen,
  • zum Umsetzen oder Nichtumsetzen.

Zu Eurer persönlichen Verfügung. Ganz wie es Euch beliebt.

“Das Glück

Ja, renn nur nach dem Glück
Doch renne nicht zu sehr.
Denn alle rennen nach dem Glück
Das Glück rennt hinterher.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht anspruchslos genug
Drum ist all sein Streben
Nur ein Selbstbetrug!”

Das Glück.

“Alle lebenden Wesen wünschen Annehmlichkeit und Glück. Und dieses Verlangen nach Glück ist nicht nur bei Menschen von Gelehrsamkeit und Intelligenz zu finden, sondern bei allen Geschöpfen der Welt, selbst bei den unbedeutendsten.”

Dies sind Worte des XIV Dalai Lama, nachzulesen in seinem Buch “Das Auge der Weisheit”.

Das Glück. – Auch ich habe nach dem Glück gesucht, nicht zuletzt für diesen Vortrag. Ich habe zahllose, sich meist widersprechende Erklärungen gefunden, bin in zumindest ebenso zahllosen Sackgassen mit Unsinn und Blendwerk stecken geblieben und immer wieder fiel mir dann der gute alte Goethe ein:

“Da steh‘ ich nun ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.”

Nur nicht aufgeben. – Etwas mich persönlich Beeindruckendes zum Thema “Glück” fand ich im — Internet.  – Ja, ihr habt richtig gehört, — im Internet.

Da hatte nämlich eine Schülerin ihren Aufsatz zum Thema “Glück” eingestellt. Er soll Euch nicht vorenthalten bleiben:

Helene Richter schrieb:

„Was ist Glück?

Eine emotionale Gefühlsregung , die sich positiv auf das Gemüt auswirkt – so etwa würde die Definition im Lexikon lauten.

  • Ein vierblättriges Kleeblatt bringt Glück,
  • eine Katze, die von links nach rechts über die Straße läuft, bringt Unglück.
  • Eine Sternschnuppe wiederum bringt Glück
  • und ein kleines 1-Pfennig-Stück, kaum zu glauben, bringt auch Glück.

So gibt es auch x-hundert verschiedene Glücksbringer, sei es ein Stein, eine Zahl, ein Andenken, oder irgendetwas anderes persönliches. Und dann gibt es das Glück in der Liebe, das Glücksspiel, den Glücksboten, den Glückwunsch und den Glückstreffer. Glück scheint also etwas ganz alltägliches zu sein, nur was eigentlich ist es?

Auf meiner Suche nach dem Glück fing ich schließlich an, mich an altbekannten Weisheiten zu orientieren. Zunächst versuchte ich mein Glück im Pferdestall, denn wer kennt nicht den Spruch: das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde. Doch nichts, höchstens ein paar Bremsen und Zecken. Auch beim Glücksspiel fand ich es nicht. So hatte ich doch eher Pech, denn wer freut sich schon daran, mit 50 Mark in so ein Gebäude hineinzugehen, um anschließend mit leeren Händen wieder herauszukommen? Auf der Suche nach einem 1-Pfennig-Stück fand ich schließlich auch nur ein halbes Fahrradventil und einige Nägel und Schrauben.

Wohin ich ging – nur Frust und kein Funken Glück.

Um mich herum schienen sich alle zu beglückwünschen und wahre Glückstreffer zu landen, nur ich suchte vergeblich nach Glück.

An der einen Ecke betrachtete ein Mann gerade mit blitzenden Augen und überaus glücklich seinen neuen 911-Porsche, und dort fand eine Gruppe Jugendlicher ihr Glück an einem McFress-Stand bei einem kräftigen Biss in ein Hühnchenbein.

An der Ampel hörte ich eine Frau sagen: ‘Ich hab vielleicht Glück gehabt! Der wäre mir fast hinten aufgefahren!’ Und der Anblick zweier turtelnder Tauben auf dem Marktplatz zeugte von purem Glück.

‘Herzlichen Glückwunsch – Sie haben den Supergewinn im Lotto gewonnen!’ drang es da auch schon aus dem kleinen Kofferradio zu mir herüber, und die Kinder versuchten ihr Glück beim Kirschkernweitspucken.

Und ich: ein Häufchen Elend in diesem Glück!

Doch da hörte ich plötzlich einen Schrei und sah, wie eine ältere Dame die letzten drei Stufen der Kaufhaustreppe hinabstürzte. Verletzt hatte sie sich nicht, aber mir war klar: diese Frau war verunglückt.

Und da wurde mir schlagartig klar, dass Glück nur ein Begriff ist und viele Menschen denken, sie könnten ihn gebrauchen und sich für glücklich erklären. Ich aber weiß jetzt, dass Glück ein Zustand ist, der nur erreichbar ist, wenn man alle Ziele erreicht hat, und auch dann ist das Glück schon fast wieder vorbei, denn das wahre Glück liegt auf dem Weg zum Glück, also beim Verwirklichen seiner Träume, Ziele, Ideen. Erreichen kann man es deswegen nur aus eigener Kraft und mit dem Gefühl innerer Ruhe.“

Bemerkenswerte An- und Einsichten einer Schülerin. Aber sie sind und bleiben dennoch ihre Privatsache.

Während wir doch alle irgendwie selbst glücklich werden wollen.

“Ich bin immer von Glückseligkeit erfüllt. Was auch immer geschehen mag, nichts kann mich am Lächeln hindern.”

Der Mann, von dem diese Worte stammen, ließ sich als einen Avatar, einen Götterspross, verehren. Viele kennen seinen Künstlernamen: Satya Sai Baba. Er hatte sogar seine eigene Internetseite, die inzwischen in den unendlichen Weiten des World Wide Web – möglicherweise in einem Schwarzen Datenloch – verschwunden ist. Auch mit diesem Glück war es wohl nicht ganz so weit her.

Zu allen Zeiten strebten die Menschen nach Glück, suchten nach Wegen zum Glück und versuchten zu erklären, was Glück eigentlich ist. Und alle Zeiten und Kulturen kamen zu eigenen Ergebnissen. Und die sind aus unserer heutigen Sicht manchmal nur schwer verständlich.

Wie die Geschichte von Kleobis und Biton, die von Herodot überliefert wurde:

Kleobis und Biton waren die Söhne einer Priesterin, die dringend zu einem Weihefest musste. Aber die Zugstiere für ihren Kultwagen blieben aus. Da luden sich die beiden Jünglinge das Joch selbst auf die Schultern und zogen den Wagen zum Kultplatz. Voller Dankesfreude bat die Mutter die Göttin Hera, ihren Söhnen zum Lohn das Beste zu schenken, was es für Menschen geben könne. Und beide starben schlafend noch in der selben Nacht.

Oder die Geschichte von König Midas, der den Waldschrat Silen gefangen hatte und ihn erst freilassen wollte, wenn er ihm verriete, was für den Menschen das Beste sein. Lange schwieg Silen und erst unter der Folter gab er es preis: das Allerbeste sei es, nicht geboren zu werden; das Zweitbeste aber, möglichst bald zu sterben. Und der weise Solon schließlich hat gewarnt, niemand sei glücklich zu preisen, bevor er gestorben sei. Das meint:

Auch beim schönsten Lebensgenuss, bei der tollsten Party, beim größten Mega-Event: das dicke Ende kann immer noch kommen.

Herodot, der die meisten dieser alten Geschichten aufgeschrieben hat wurde nicht müde, die Menschen vor übermütigen und übertriebenen Glücks­er­war­tungen zu warnen. Ob es etwas genutzt hat? – Gute Frage!

Wenn denn nun alles irdische Glück so fragwürdig ist und kaum erreichbar wird, was dann? — Dann richtet sich der Blick nach oben. Auf das Reich Gottes. Für Augustinus ist Glück ein „donum dei“, ein Geschenk Gottes.

Thomas von Aquin allerdings stellte dann rund 900 Jahre später knochentrocken fest:

“Irgendeine Art von Glückseligkeit kann man in diesem Leben nur in Teilhabe bekommen: die vollkommene und wahre Glückgeborgenheit kann man aber in diesem Leben nicht haben.”

Gibt es also kein Glück auf dieser Welt? — Ja doch! Für Montaigne stellte sich das ganz einfach und konkret dar:

“Ich lebe von der Hand in den Mund und bin es zufrieden, wenn ich die augenblicklichen, die normalen Bedürfnisse befriedigen kann.”

So spricht die Gelassenheit eines vernünftigen Menschen. So einfach kann Glück sein.

Doch verlassen wir die Bühne der Geschichte, sie hat keine abschließende Lösung zum Glück oder zum Glücklichsein parat.

Wieso aber sind so viele Menschen unglücklich?

Alle Menschen suchen das Glück. Aber nur wenige finden es. Denn: die Menschen suchen ihr Glück allzu oft auf Kosten ihrer Mitmenschen. Und dann wundern sie sich, dass das Gefundene kein Glück ist. Werden Pessimisten, Menschenfeinde und Feinde ihrer selbst.

Ich will alles. Und zwar sofort. Das ist ober-cool und mega-in.

Nur: das kann und wird nicht funktionieren. Schon Kurt Tucholsky hat sich seinerzeit über die Grenzenlosigkeit menschlichen Anspruchsdenkens lustig gemacht:

“Ja, das möchste:

Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,
vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße;
mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,
vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn –
aber abends zum Kino hast dus nicht weit.
Das Ganze schlicht, voller Bescheidenheit:
Neun Zimmer, – nein, doch lieber zehn!
Ein Dachgarten, wo die Eichen drauf stehn,
eine Dienerschaft, gut erzogen und stumm,
eine süße Frau voller Rasse und Verve –
(und eine fürs Wochenend, zur Reserve) –
eine Bibliothek und drumherum
Einsamkeit und Hummelgesumm.
Im Stall: Zwei Ponys, vier Vollbluthengste,
acht Autos, Motorrad – alles lenkste
natürlich selber – das wär‘ ja gelacht!
Und zwischendurch gehst du auf Hochwildjagd.
Ja, und das hab ich ganz vergessen:
Prima Küche – erstes Essen –
alte Weine aus schönem Pokal –
und egalweg bleibst du dünn wie ein Aal.
Und Geld. Und an Schmuck eine richtige Portion.
Und noch ne Million und noch ne Million.
Und Reisen. Und fröhliche Lebensbuntheit.
Und famose Kinder. Und ewige Gesundheit.
Ja, das möchste!

Aber wie das ist so hienieden:
manchmal scheints so, als sei es beschieden
nur peu à peu, das irdische Glück.
Immer fehlt dir irgendein Stück.
Hast du Geld, hast du nicht Käten;
hast du die Frau, dann fehln dir die Moneten –
hast du die Geisha, dann stört dich der Fächer:
bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.
Etwas ist immer.

Tröste dich.
Jedes Glück hat einen kleinen Stich.
Wir möchten so viel: Haben, – Sein – Und gelten.
Dass einer alles hat, das ist selten.”

Wie kann man aber nun ein wirklich glücklicher Mensch werden? Als ein berühmt-berüchtigter Kardinal einmal gefragt wurde, wie viele Wege es zu Gott gebe, antwortete er: “So viele, wie es Menschen gibt.”

Ob es sich mit dem Glück nicht vielleicht ähnlich verhält? Mich würde die Meinung des besagten Kardinals hierzu persönlich wirklich interessieren, ist er doch auch bei seinen Gegnern wegen seines Wissens und seiner Geistesschärfe anerkannt.

Doch hat er nun seit einiger Zeit einen neuen Job – in den Augen Franz Münteferings den “schönsten Job der Welt” – und damit einfach wichtigere Dinge zu tun, als mit mir über Wege zum Glück zu diskutieren. Ob er glücklich ist?

(Anm. der Red: Zum Zeitpunkt des Vortrags war noch Kardinal Ratzinger der Bischof von Rom, also Papst)

Und so bin ich schon wieder … bei Goethe:

“Da steh‘ ich nun, ich armer Tor …”

Und ich frage mich: Kann man heute in dieser geldgierigen und machtgeilen, brutalen, schizophrenen, verdreckten und geschundenen Welt überhaupt noch ein glückliches Leben führen?

Diese Frage muss sich jeder von uns selbst beantworten. Jeder muss seinen eigenen und nur für ihn gültigen Weg gehen.

Wir müssen unser Leben selbst in die Hand nehmen und so führen, wie wir es für richtig halten. Alle Verantwortung liegt bei uns.

Mach etwas aus deinem Leben! Tue, was du tun kannst und jammere nicht über das, was du nicht tun kannst.

Selbstverständlich gibt es für jeden von uns Grenzen. In der Regel werden sie von der Gesellschaft abgesteckt. Doch innerhalb dieser Grenzen kann niemand, niemand außer uns selbst, kann niemand außer uns selbst uns daran hindern, unser Glück zu suchen.

So gut es eben geht.

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