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Monismus 2.0 – die Quantenphilosophie

von Kurt O. Wörl, Schwabach

Ich hoffe niemand zeigt sich vom Thema verschreckt und erwartet nun eine brillante und auch noch allgemein verständliche Darstellung der Quantentheorie, deren Geburt sich Ende des Jahres zum 114ten Male jährt. Das wäre gleich mehrfach vermessen:

  • Zum einen gibt es weltweit allenfalls 30 Personen, Physiker meist, welche die formalen, physikalischen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen der Quantentheorie, ihre Physik und Mechanik, einigermaßen sicher umreißen und erklären können. Stephen Hawking brachte es auf den Punkt: „Wer glaubt, die Quantentheorie verstanden zu haben, hat sie nicht verstanden.“
  • Zum anderen interessiert mich die Theorie der Quanten in diesem Bauriss  nur am Rande, auch wenn ich mich immer wieder auf sie beziehen muss.

Vielmehr befasse ich mich mit der Denknotwendigkeit, also mit der Philosophie, die sich zwingend daraus ergibt, wenn das, was der Quantentheorie an wundersamen Eigenschaften zugeschrieben wird, wahr sein sollte.

Monismus 2.0” in der Überschrift soll nun wiederum nicht etwa bedeuten, dass es da eine neue, zweite Version der von dem Biologen Ernst Haeckel begründeten, philosophischen Weltanschauung auf monistischer Basis gäbe. Vielmehr werde ich versuchen herauszuarbeiten, dass Ernst Haeckels monistische Weltsicht in der aktuellen Quantentheorie in erstaunlichem Maße Bestätigung findet.

So befasse ich mich mit den notwendigen Schlussfolgerungen, die sich aus der Quantentheorie ergeben, sollte sie sich dereinst als wahr und richtig herausstellen. – Und wie es aussieht sprechen ständig neue, wissenschaftliche Erkenntnisse dafür, dass das auch so sein könnte, was allerdings Einsteins Relativitätstheorien etwas in Bedrängnis brächte. Denn beide Theorien sind aktuell miteinander noch nicht vereinbar.

Was ist Monismus?

Unter Monismus versteht man zusammengefasst, dass sich alle Vorgänge, Ereignisse und Phänomene auf ein einziges Grundprinzip zurückführen lassen.

Monismus verneint dualistische und auch pluralistische Vorstellungen vom Entstehen des Weltganzen und verneint, dass Geist und Materie verschiedene Substanzen wären. Monismus sieht beides als Einheit an. Der Mensch besteht aus Körper und Geist. Fehlt eines davon, dann ist da kein Mensch oder er ist bereits tot.

Dualistische Vorstellungen, etwa von „Gut und Böse”, „Himmel und Hölle”, „Gott und Satan”, “Krieg und Frieden” usw. sind rein menschliche Kategorien. Kein anderes Lebewesen teilt die Welt in derartige Kategorien ein – nach allem was wir wissen.

Den Beweis kann jeder selbst antreten: Gut und Böse liegen immer im Auge des Betrachters. Was ein Mensch als gut empfinden mag, empfindet ein anderer als böse (oder synonym als schlecht, als falsch, als unmoralisch etc.). Beispiele:

  • Der Bestohlene wird Diebstahl wohl ausgesprochen unschön empfinden. Der bereicherte Dieb denkt darüber ganz anders.
  • Mehr Lohn und weniger Arbeitsstunden finden Arbeitnehmer richtig gut, Arbeitgeber in der Regel eher nicht.
  • Hohe Erlöse im Handel erfreuen die Händler, die Käufer können diese Freude nicht teilen. usw.
  • Himmel und Hölle und Gott und Satan sind nichts anderes als Produkte menschlichen Wahns, weil sich der denkende Mensch einst viele Erscheinungen der Natur nicht anders erklären konnte und sich deshalb ängstigte. Wenn einst Blitz und Donner vom Himmel kamen, ja dann mussten doch die Götter zürnen, wer oder was denn sonst?

Die Vorstellung von Paradies und Hölle entstand einerseits aus der Angst des Menschen vor seiner eigenen Endlichkeit, von der er weiß, aber auch aus einer Sehnsucht nach Gerechtigkeit heraus, welche im Jenseits allen – und damit auch ihm selbst – widerfahren soll. Schöne Vorstellung: Unsere vom Körper befreite Seele (also wir selbst, unser eigentliches Ich) kommt gerechter Weise in den Himmel, aber nur, wenn wir auf Erden zu den Geringen, Unterdrückten, sonst aber ethisch, friedlichen Lebenden gehörten. Der Schurke, Habgierige, Ungerechte hingegen, der kommt natürlich für immer ins Höllenfeuer. – Nur, wo sollte das wohl sein? Und wo das Paradies? Und wer konnte je schon von dort berichten?

Es ist und bleibt letztlich ein krankhafter Wahn. – Vorerst… ich werde das nachher ein ganz klein-wenig revidieren und ein bisschen Metaphysik zulassen…

Ernst Haeckel gilt – wie erwähnt – als der Begründer der monistischen Philosophie. Er war Biologe. Haeckel räumt in seinem bekanntesten Werk „Die Welträtsel“ aber ein, dass er sich im Grunde an Thesen, wie sie bereits Baruch de Spinoza formuliert hat, orientiere und der postulierte dereinst (zitiert nach den “Welträtseln”):

„Die Materie, als die unendlich ausgedehnte Substanz und der Geist (oder die Energie), als die empfindende und denkende Substanz, sind die beiden fundamentalen Attribute oder Grundeigenschaften des allumfassenden göttlichen Weltwesens, der universalen Substanz.“

Klingt kompliziert, ist es aber eigentlich nicht: Spinoza hat erkannt, dass wir alle Teil eines unfassbaren großen Ganzen sind. Und weil wir Bewusstsein entwickelt haben und besitzen, könnte auch das große Ganze letztlich ein solches besitzen. – Die logischen Schlussfolgerungen und Konsequenzen aus der Quantenphysik scheinen diese Möglichkeit durchaus zu stützen.

Haeckel hat naturgemäß seine Theorien hauptsächlich aus dem Fachgebiet seiner Profession, der Biologie, entwickelt. Von der Theorie der Quanten wusste man zu seiner Zeit noch nicht viel. Haeckels Begrifflichkeiten sind daher von der der Physiker sehr verschieden. Aber wenn Haeckel von “Energetik”, von “immateriellen Naturkräften” spricht, dann bewegt er sich ganz nah an der Quantentheorie.

Doch der Reihe nach: Warum ist die Quantentheorie, die viele Rätsel so elegant erklären könnte, bislang unvereinbar mit Einsteins Relativitätstheorie?

Einstein sagte, die Lichtgeschwindigkeit wäre das Schnellste in diesem Universum. Nichts im Kosmos könne schneller sein, – und bewegte Materie schon gar nicht. Bewegte man sich mit Lichtgeschwindigkeit, würde die Zeit außerhalb der bewegten Masse (relativ) rasend schnell vergehen, innerhalb der bewegten Masse fast zum Stillstand kommen. Die mit Lichtgeschwindigkeit bewegte Masse würde zudem gegen unendlich tendieren. Das heißt bei exakt 299.792 km/s wäre ultimativ Schluss mit jeglicher Beschleunigung.

Und jetzt kommen die Quantenphysiker daher und stellen fest, es gäbe offenbar etwas, das um Vieles schneller als Licht, ja unendlich viel schneller ist als Licht wäre. Es ist dies ein Begriff, den die Menschheit auch noch nicht allzu lange im Munde führt und der lautet: Information.

Die Physiker haben festgestellt, dass entstehende Information auf Quantenebene offenbar augenblicklich im gesamten Kosmos ohne Zeitverzug zur Verfügung steht. Wie kommen sie darauf, wo wir doch wissen, dass Information, wie wir sie kennen, stets einen Träger, z.B. eine Drahtleitung oder elektromagnetische Funkwellen, benötigt, um ausgetauscht zu werden und, dass auch letztere an die Lichtgeschwindigkeit gebunden sind?

Sie kommen über eine erstaunliche Entdeckung darauf, nämlich über die sog. “Verschränkung von Quanten”. Damit ist gemeint, dass zwei Quanten – auf bisher ungeklärte Weise – mit einander verschränkt, also in Verbindung und Wechselwirkung stehen können, selbst dann, wenn sie weit voneinander verortet sind.

Albert Einstein nannte diese erstaunliche Eigenschaft verschränkter Quanten eine „spukhafte Fernwirkung“. Diese rätselhafte Eigenschaft ist der Grund, warum bislang die Quantenphysik nicht mit der Relativitätstheorie Einsteins in Einklang zu bringen ist. Beide Theorien sind für sich alleine schlüssig und funktionieren, aber gemeinsam betrachtet schließen sie sich eigentlich aus.

Das heißt aber auch, man darf sich Quanten nicht mehr als einzelne Teilchen, mit definierten physikalischen Zuständen und Lokalisierungen vorstellen, sondern muss sie als ein Gesamtsystem beschreiben. Es lässt sich demnach vermuten, dass z.B. subatomare Teilchen nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt an einer bestimmten Stelle klar definiert und lokalisiert befinden, sondern nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in einem bestimmten Raumsektor um das Bezugssystem… also wie z.B. Elektronen, die sich um einen Atomkern bewegen.

Quanten können z.B. Photonen sein, dann, wenn sich Licht unter bestimmten Umständen nicht mehr wie eine elektromagnetische Welle, sondern wie bewegte Materie verhält (vgl. auch Doppelspaltexperiment).

Weitere Quanten können sein Phononen, Plasmonen, Magnonen, Gluonen, Gravitonen, Drehimpulsquant … sie alle sind für Nichtphysiker schwer vorstellbar und ich kann sie natürlich erst recht nicht erklären. Sie sind bei meinen Betrachtungen auch nicht von Bedeutung.

Aber in gewisser Weise hängt das Verhalten von Teilchenströmen und elektromagnetischen Wellen mit einem Zustandswechsel eines Objekts zusammen, das von außen, z.B. durch Energiezuführung, verändert wird: Fließender Strom erzeugt um einen Leiter ein Magnetfeld. Der Leiter verändert sich nicht, hat aber nun ein Magnetfeld. Ein Körper, der einen Drehimpuls, z.B. durch Anstoß, erhält, beginnt zu rotieren, der Körper selbst ist derselbe wie vorher, aber etwas ist mit ihm geschehen. Bereits die Messung, also die Beobachtung von Vorgängen auf Quantenebene, können Auswirkungen haben und diese verändern.

Oder: wir erhalten zu irgend einer Sache eine neue, uns bislang völlig unbekannte Information. Unser Verhältnis zu dieser Sache – und wie wir sie betrachten – wird ab diesem Moment für uns ein deutlich verändertes sein… wir sagen dann manchmal: “Ich sehe das jetzt mit ganz anderen Augen.” Wir selbst, die Materie, aus welcher wir bestehen, haben uns überhaupt nicht verändert, aber unser Bewusstseinszustand.

Ein schönes Gedankenbeispiel dafür, wie alleine die Beobachtung quantenmechanische Prozesse beeinflussen können hat der Physiker Erwin Schrödinger 1935 aufgestellt. Er portierte damit seltsame Phänomene aus dem Quantenbereich in unsere mesokosmische Welt, um diese Phänomene anschaulicher zu gestalten. Das Gedankenexperiment wurde bekannt als Schrödingers Katze (bitte dort nachlesen). Dabei will ich es belassen. Für mein Anliegen ist die komplizierte Quantenmechanik und ihre Physik nur von untergeordneter Bedeutung.

Wichtig scheint mir aber die Entdeckung der Physiker, dass Quanten auf für uns rätselhafte und der bekannten klassischen Physik eigentlich widersprechenden Weise miteinander verschränkt sein können, also zu einander in einer Wechselwirkung oder Beziehung stehen, und zwar dieser Art:

Geschieht etwas mit einem Quant, nehmen wir an, es wird durch äußeren Impuls in Rotation versetzt, verhält sich das mit dem angeregten Quant verschränkte Quant augenblicklich, ohne jegliche zeitliche Verzögerung, genauso wie das angeregte – und zwar unabhängig davon, in welcher Entfernung sich das verschränkte Quant von dem angeregten befindet (es könnte sich auch auf dem Mond oder Lichtjahre davon entfernt auf der anderen Seite unserer Galaxie oder noch weiter entfernt befinden).

Und das bedeutet, dass jegliche Information auf Quantenebene, egal welche, offenbar im Augenblick ihres Entstehens im gesamten Kosmos zur Verfügung steht. Wenn wir etwas neues lernen, verändert das unsere Weltsicht und die von unserem Gehirn realisierte Neuigkeit hat uns auf Quantenebene verändert und die neue Erkenntnis stünde damit augenblicklich im gesamten Kosmos zur Verfügung.

Diese Informationsübertragung ohne jegliche Zeitverzögerung lässt natürlich Begehrlichkeiten mit Blick auf die IT-Technik entstehen. Schon befassen sich Informatiker und Physiker damit, die damit verbundenen Möglichkeiten in eine Computertechnik auf Quantenbasis umzusetzen – wenn auch vorerst noch auf recht theoretische Weise. Bedenkt man, dass heute bereits Nanosekunden für den Erfolg an vernetzten Börsen entscheiden können, um wie viel erfolgreicher wäre die Spekulation ohne jede Zeitverzögerung?

Wie auch immer: Einsteins schnellste denkbare Geschwindigkeit in unserem Universum wäre gegen unendlich übertroffen – wenn man bei Null Zeitbedarf überhaupt noch von Geschwindigkeit sprechen kann. Es ist also nicht mehr ausgeschlossen, dass jegliches Ereignis, eben auch unsere Denkprodukte, im Augenblick ihres Geschehens das gesamte Universum verändert und die entstandene Information im gesamten Raum-Zeitkontinuum augenblicklich zur Verfügung steht.

Das hätte zwingende Konsequenzen, welche die Realität ggü. religiösen Wahnsystemen weitaus phantastischer erscheinen ließe, als es sich alle Religionsgründer und Priesterscharen nur ausdenken konnten. – Ja, selbst die Sehnsucht des Menschen, doch endlich den Sinn des Lebens zu erfassen und die unbändige Neugierde auf das, was wohl nach unserem Tode sein werde, fände in der Wirksamkeit der Quantenphysik ihren Ursprung und womöglich auch noch ihre simpel einfache Erklärung.

Eine ganze Reihe Philosophen haben sich bereits – jenseits des Götterwahns und lange vor Aufstellung der Quantentheorie – damit befasst und intuitiv kamen einige immer wieder auf Begriffe wie „Weltwissen“, sogar der Begriff „all-wissend“ gehört dazu. Da steckt das All schon drin.

Sokrates z.B. war überzeugt, jeder Mensch wisse grundsätzlich alles. So er meine er wisse nicht, habe er nur bisher entweder keinen Anlass gehabt auf das Wissen zuzugreifen oder es fehlten ihm noch die Begrifflichkeiten. Sokrates übte – und das mit großem Erfolg – das Lehren per Fragetechnik. Die richtigen Antworten nannte er “Erinnerungen”. Das heißt, die Schüler lernen nicht völlig Neues sondern erinnern sich an etwas, was sie immer schon wussten, ohne es freilich zu ahnen.

Sokrates dozierte nicht sein Wissen – so wie wir heute leider unsere Schüler in den Schulen quälen und langweilen – sondern er kitzelte das verborgene Wissen durch geschicktes Fragen aus seinen Schülern selbst heraus. Dieses selbst entdeckte Wissen verändert uns auf Quantenebene für immer und es bleibt uns weitaus sicherer haften, als wenn wir es uns mühsam sequenziell über Kommunikationskanäle in uns eintrichtern müssen. Letzteres führt nur zum sog. Bulimie-Lernen: Lernen, auskotzen, vergessen.

Plötzlich werden, so betrachtet, auch bisher unerklärliche Phänomene verständlich: Denken wir an sog. Savants, also Inselbegabte und denken wir z.B. an bestimmte Erscheinungsformen des Autismus. Ein solch Inselbegabter hört eine komplizierte mathematische Aufgabe und hat fast ohne Zeitverzögerung die Lösung parat, was uns “Normalos” erstaunt und auch schon mal ängstig. Es ist nicht so, dass der Savant versucht im Kopfe sequentiell einen Term zu errechnen. Nein, das Ergebnis beim Betrachten des Terms erscheint einfach vor seinem geistigen Auge, als rufe er es einfach irgendwo ab.

Oder: Ein anderer Inselbegabter fliegt mit dem Hubschrauber eine Stunde über Rom und beginnt nach der Landung auf einer großen Leinwand Rom aus dem Gedächtnis nachzuzeichnen. Das absolut präzise und in der richtiger Perspektive, die der Hubschrauberflug vorgab, bis dahin, dass alle Häuser, sogar das Kolosseum, mit der exakt richtigen Fensteranzahl gezeichnet wurden. Er könne, sagte der so Begabte, das Gesehene in seinem Kopf wie auf einem Videorekorder hin und her spulen – also ein außergewöhnliches, nicht nur fotografisches sondern sogar videografisches Gedächtnis.

Oder: Ein kleiner Junge im Vorschulalter beobachtete seine Mutter beim Klavierspiel. Daraufhin setzte er sich ans Klavier und spielte, was Mutter spielte, einfach nach, ohne je Klavierunterricht genossen zu haben. Mehr noch, er erkennt, wo sich Johann Sebastian Bach in seinen Werken logisch vertan haben musste und verbesserte gar dessen Werke.

Angesichts dieser enormen geistigen Leistungen fühlt man sich als “normal” ausgestatteter Mensch von seinen eigenen Filtern im Kopfe benachteiligt. – Das deprimiert und wird durchaus als Demütigung empfunden.

Alles oder Nichts … Sein oder Nichtsein

„Warum ist alles und nicht nichts?” Der aktuell populärste deutsche Philosoph, Richard David Precht, stellte diese Frage in einem seiner Bücher. Die Frage ist berechtigt.

Denn wenn die Urknalltheorie zutrifft, dann sind Sein oder Nichtsein, der entfaltete Kosmos und die vorausgehende Singularität ein binäres System – Programmierer würden sagen eine Exklusiv-Oder-Bedingung. Eins oder Null, alles oder nichts. Wenn alles, dann aber auch wirklich alles und der Spruch „Es gibt halt nichts, was es nicht gäbe!” trifft zu.

Zwischenfrage, wer hat eine Antwort für mich?

Wenn es wahr ist, dass Raum und Zeit erst mit dem Urknall und in dem sich entfaltenden Universum entstanden sind, sich das Universum seither immer weiter ausdehnt und zwar umso schneller, je mehr Zeit vergeht, wo hinein dehnt sich das Universum dann eigentlich aus?

Auch wenn ich metaphysische  “Künste” wie “Telepathie”, “Wünschelrutengänger” etc. stets als lächerlichen Humbug abgetan und ins Reich der Märchen und des Aberglaubens verwiesen habe… ganz so sicher bin ich mir da heute nicht mehr. Die Quantentheorie und das „Alles-oder-Nichts-Prinzip“, also Singularität oder Universum, lässt plötzlich den berühmten Satz, den Shakespeares seinem dänischen Prinzen “Hamlet” in den Mund legte „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich träumen lässt!“ sehr präsent erscheinen.

Uns aber bleibt nur, ein wenig über die auf der Quantentheorie basierenden Konsequenzen zu philosophieren. Und mehr als darüber zu philosophieren können derzeit auch die Quantenphysiker nicht:

Die Entscheidung zwischen Singularität und Universum ist – durch was auch immer ausgelöst, vermutlich durch eine Art Fluktuation – gefallen. Der Urknall – so die Theorie – entfaltete das Universum, Raum und Zeit, Materie und Energie werden augenblicklich als Ursuppe frei, die für dieses dreidimensionale Universum gültigen Naturgesetze werden in Kraft gesetzt. Das Nichts ist obsolet, ab sofort ist Alles und damit ab sofort auch alles möglich. Es muss ein Irrsinnsspektakel gewesen sein.

Der ganze Universumsaufwand wäre nichts weiter als eine riesige, sinnlose Platzverschwendung, gäbe es darin nicht etwas, was diese Entfaltung auch wahrnehmen und darüber reflektieren, ja sich ergötzen könnte. Es wäre schlechterdings ohne jede Bedeutung, ob es ein Universum gäbe oder nicht. Muss so ein Universum nicht, schon um sich seiner selbst bewusst zu werden, nicht zwingend wahrnehmende Wesen hervorbringen? Ist es womöglich ein inhärentes Naturgesetz, dass ein Universum grundsätzlich immer das Entstehen von Wahrnehmung in sich birgt? – Ich kann es mir nicht nur sehr gut vorstellen. Ich halte das für eine sehr sympathische und schöne Vorstellung.

Einen Schöpfergott hingegen bringe ich nirgends logisch, sinnvoll und nötig unter. Denn: Das Universum als Ergebnis eines Alles oder Nichts, das kann ich mir nicht nur gut vorstellen, ich kann es jede Nacht beim Blick in den Himmel ja selbst bestaunen. Es ist ja da. Der von vielen Menschen geglaubte Schöpfergott hingegen ergibt weder Sinn noch wäre seine Existenz schlüssig nachvollziehbar: Seine Existenz würde nur die Herkunftsfrage des Universums von diesem weg auf ihn selbst verlagern: Wenn ein Gott alles was war, ist und sein wird erschuf, wer bitteschön erschuf dann Gott, woher kommt der und wenn, dann warum?

Alle Antworten, die Fromme darauf üblicherweise zu geben pflegen (“er war schon immer, er ist der Ewige ohne Anfang und ohne Ende”) die kann man in gleicher Weise und sogar mit größerer Berechtigung, auch einem sich selbst aus dem Nichts schaffenden Universum zusprechen.

Und das Tolle daran: Anders als ominöse Götter zeigt sich das Universum meinen Sinnen in seiner ganzen Pracht, lässt mich an seiner Entwicklung teilhaben. Die wirklich schöpfende Kraft im All, die Gravitation, wir können sie im Kosmos konkret beobachten. Wir sehen wie sich Staubwolken gravitativ verdichten, Sterne unter der Last ihrer Masse sich selbst entzünden, wie sie in ihrem Inneren immer schwerere Elemente erbrüten, wie Planeten sich aus den Trümmern von Supernovas bilden, wie Galaxien durch Gravitation zusammengehalten werden. Götter hingegen sah noch nie ein Mensch. Ein Himmelreich und eine Hölle – außer jenen, die wir uns auf Erden selbst schaffen – ebenfalls nicht.

Der Vater des Monismus, Ernst Haeckel, spricht in seinen „Welträtseln“ oft von einem Urgrund, aus dem das Leben zur Höhe strebt und zwar mit Macht und unbändig, sobald die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Leider wurde der Monismus im Laufe der Jahrzehnte, vor allem von den Kirchen, immer wieder diffamiert als bloße Erscheinungsform des profanen Atheismus. Doch nichts ist falscher als das.

Von den Materialisten hingegen, vor allem von „Links“, wurde der Monismus mit dem theoretischen Materialismus gleichgesetzt, welcher den Geist leugnet und die Welt in eine Summe von toten Atomen auflöst. Das ist ebenso falsch. Monismus ist aber auch nicht mit dem theoretischen Spiritualismus identisch, welcher die Materie leugnet und die Welt nur als eine räumlich geordnete Gruppe von Energien oder immateriellen Naturkräften betrachtet.

Kein anderer als Altmeister und Freimaurer Johann Wolfgang von Goethe hat den Monismus, ohne den Begriff freilich zu gebrauchen, ganz richtig vorweg definiert, nämlich, dass die Materie niemals ohne Geist, der Geist niemals ohne Materie existiert und wirksam sein kann. Geist und Materie sind die zwingenden Pole alles Seienden. Wörtlich schrieb Goethe 1828 in seinem Aufsatz “Die Natur”:

Weil aber die Materie nie ohne Geist, der Geist nie ohne Materie existiert und wirksam sein kann, so vermag auch die Materie sich zu steigern, so wie sich’s der Geist nicht nehmen lässt, anzuziehen und abzustoßen; wie derjenige nur allein zu denken vermag, der genugsam getrennt hat, um zu verbinden, genugsam verbunden hat, um wieder trennen zu mögen.

Man möchte sagen, achtet auch die Steine, auf welchen ihr gehet, sie könnten Euch erkennen, wie sich große Massen im Kosmos gravitativ über weite Entfernungen erkennen.

Ich bin übrigens der Auffassung: Wer die Welt – wenn schon nicht in Gänze so zumindest im Erahnen – erfassen möchte, der kommt um Goethe – und im besonderen um seine Meisterarbeit “Faust I und II” – nicht herum.

Ich resümiere: Ein sich selbst schaffendes Universum, das sich auch seiner selbst bewusst werden möchte, würde wohl genau diesen Weg beschreiten, nämlich sich immer zuverlässigere und vielfältigere “Wahrnehmungsorgane” schaffen. Mehr noch, es würde diese Organe mit der Möglichkeit über Erkenntnisse reflektieren zu können ausstatten. Warum? Nun, weil alle Lebewesen Teil dieses Universums sind. Lebewesen sind als belebte Materie Teil des Kosmos, wir alle bestehen aus den Elementen, welche ein vergangener Stern einst erbrütet hatte.

Und weil, wie wir aus den Konsequenzen zur Quantentheorie jetzt annehmen können, alles errungene Wissen möglicherweise augenblicklich und für immer – wenn auch auf noch unbekannte Weise – im ganzen Universum zur Verfügung stehen könnte, ergeben sich daraus – immer vorausgesetzt die Quantentheorie trifft wirklich zu – Möglichkeiten und Perspektiven, welche all die frommen Märchen in sog. “heiligen” Büchern als albern und nichtig in den Schatten stellten.

Der Sinn des Lebens erwüchse vor unseren Augen empor: Nämlich dem Universum als Sinnes- und Erkenntnisorgan dienlich zu sein, das Leben mit offenen Sinnen in seiner Gänze und Breite zu leben, alle Sinne weit offen zu halten in alle Richtungen zu richten, wahrzunehmen und zu erkennen und diese Fähigkeit, von Generation zu Generation erweitert, an unsere Nachkommen weiterzugeben. Und wir müssen uns um diese Aufgabe nicht einmal bemühen. Wir sind durch die Natur mit allem ausgestattet, was die Fortpflanzung und damit die Evolution sicherstellt. Also sind wir Wesen mit freiem Willen – zumindest vordergründig, aber zur Sicherung der Genweitergabe doch auch teilweise determiniert…

Es würde auch verständlich, warum wir immer wieder auch Kriege, Mord und Totschlag, Massenmord und gar Genozide aber auch Krankheiten und Seuchen erfahren müssen. Nämlich, weil ein Universum, welches ein „Alles ist möglich“ in sich birgt, eben auch diese für uns Menschen grausamen Möglichkeiten nicht ausschließt. Es gäbe also auch kein Theodizee-Problem. welches den “lieben Gott” in so üblem Licht erscheinen ließe.

Einem Weltwissen wäre es schlicht egal, woraus es sich zusammensetzt und ob wir uns gegenseitig die Schädel einschlügen oder nicht. Aber der Vorgang selbst könnte im Augenblick seines Geschehens für immer in jenem Weltwissen Eingang finden. – Es wüsste, wie Schädel einschlagen geht.

Von der Savant-Forschung, also jener Inselbegabten, haben wir die Erkenntnis, dass offenbar unser Gehirn – zumindest grundsätzlich – zu ähnlichen Leistungen fähig ist, wie jenes der Savants. Man fand heraus, dass alle menschlichen Gehirne – genau wie bei den Savants – grundsätzlich alles je Wahrgenommene oder Reflektierte speichert. Savants und fast alle Kinder im Vorschulalter, haben sehr breiten Zugriff auf alles was sie wahrgenommen haben. Deshalb lernt der Mensch in keinem Alter so viel und schnell wie im Vorschulalter… er erlernt in wenigen Jahren eine ganze Sprache, Körpersprache, Gesichter und deren Mimik zu erkennen. Jeder Polizeibeamte weiß: Wenn Mama und Papa sagen, das flüchtige  Unfallfluchtfahrzeug könnte evtl. roter Farbe gewesen sein, während die 5jährige Tochter meint, nein, es wäre ein blaues Fahrzeug gewesen, dann macht sich die Polizei auf die Suche nach einem blauen Täter-Fahrzeug.

Wir Erwachsenen sind mit natürlichen Filtern ausgestattet, die uns unser tägliches Leben erleichtern, indem wir nur auf die wichtigen Dinge bewussten Zugriff erhalten. Einen Teil dieser Filterung hat man im linken Schläfenlappen lokalisiert. Es ist möglich, diese mittels eines hochenergetischen Magnetfelds für eine Weile abzuschalten bzw. zu betäuben. Man hat das an Testkandidaten untersucht. Die Folge war, dass die Testpersonen für eine kurze Weile  ebenfalls hohen Zugriff auf ihren Erkenntnisspeicher – wenn ich das mal so formulieren darf – hatten. Sie fühlten sich für eine Weile “so unglaublich wach wie nie zuvor”.

Das heißt aber auch, dass uns unser Gehirn von unserem eigenen Wissen, von der Summe unserer Wahrnehmungen, im großen Stile ausgrenzt und man fragt sich natürlich, warum:

Wieder komme ich zum vermuteten ewigen Weltwissen: Für unser Alltagsleben wäre es eher hinderlich, ständig mit allen noch so nichtigen Details im Bewusstsein konfrontiert zu sein – man denke etwa daran, wenn wir uns im Straßenverkehr bewegen. Von Savants und Kleinkindern, die diesen tiefen Zugriff haben, weiß man, wie schwierig es für sie ist, sich im Chaos auf den Straßenverkehr konzentrieren zu können, weil nichts die Eindrücke filtert und vorgibt, was von dem Bilder- und Geräuschessturm wirklich wichtig ist und was nicht. Das provoziert dann natürlich die Frage danach, warum unsere Weichmasse im Kopf dann trotzdem jede Nichtigkeit speichert, wenn wir gar nicht darauf zugreifen dürfen. – Nun, ein Universum das sich selbst erkennen und über belebte Materie, damit auch über uns, sich selbst erfahren möchte – wäre durchaus eine sehr vernünftige Erklärung für diesen Speicheroverhead in unserem Unterbewussten.

Wenn ich also ganz arg auf das Wesentliche reduziere, dann dreht sich offenbar dieser ganze Universums-Aufwand samt belebter Materie nur um drei Dinge:

  • zu erkennen und daraus zu lernen,
  • aus dem Gelernten sicheres Wissen zu generieren
  • und letztlich dieses vielleicht (!) als Information an ein, wie auch immer geartetes, ewiges Weltwissen für immer abzugeben.

Das Erfahren, Erdenken, Sammeln, Anreichern und Bewahren von Wissen wäre dann zugleich der eigentliche Sinn des Lebens … und zwar allen Lebens, vom Bakterium, über Pflanzen und Insekten, Wirbeltiere bis hin eben zum Menschen… und vielleicht auch zu Wesensarten auf anderen Welten, von denen wir überhaupt keine Ahnung haben.

Unser eigener Körper funktioniert übrigens ganz ähnlich, ist im Grunde ein eigenes wahrnehmendes Universum. So ist z.B. unser Darm mit Bakterien bevölkert, welche dort sehr sinnvolle Arbeit zu unserem Wohlbefinden leisten und für unsere Ernährung sorgen. Ja, wir wären ohne diese Darmfauna gar nicht lebensfähig. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass kein einziges Bakterium weiß, warum es gerade in diesem, seinem Darm sich befindet und welchem menschlichen Überich es eigentlich dient (am Ende noch mit eigenem Bewusstsein?). Vielleicht glaubt es auch an Götter, etwa weil es sich donnernde Darmwinde nicht anders erklären kann und von der blähenden Wirkung roher Zwiebeln keine Ahnung hat?

Jedenfalls: Wenn wir im Bewussten glauben, dass wir uns gerade jetzt unbedingt ein leckeres Stück Kuchen verdient hätten, dann ist die Entscheidung für den Kuchen bereits einige Zeit vorher an ganz anderer Stelle gefallen. Unser besiedeltes Darmrohr übt mehr Macht über uns aus, als wir wahrhaben möchten – und entstammt übrigens denselben Stammzellen wie unser Gehirn.

Nun mag es mir nicht recht gefallen, die Menschheit könnte nur Teil einer Fauna im Darm des Universums sein. Aber im Vergleich zur gigantischen Größe des Universum, dürfte unsere Bedeutung nicht allzu hoch über jener unserer Darmbakterien liegen.

Betrachtung vom Anfang her

Womit beginnt das Leben (Einzeller lassen wir mal außen vor)? Nun, zwei Keimzellen vereinigen sich und damit auch ihre Erbanlagen. Alltäglich, freilich. Aber was genau passiert da? Wir wissen heute: Aus zwei verschiedenen Erbinformationen wird eine neue zusammengesetzt, die den vollständigen Bauplan für das neu entstehende Lebewesen als Information enthält. Ja, Schäden an der Erbanlage der einen Erbinformation können so sogar weitgehend repariert werden. Das Leben beginnt also schon mal mit der Weitergabe von Information.

Was genau tun wir unser ganzes Leben lang? Gut, stark reduziert betrachtet bewegt sich unser Leben in einem Fünfeck von

  • Essen/Trinken,
  • Stuhlgang,
  • Fortpflanzung,
  • Schlafen und
  • Lärm machen.

Dazwischen aber sammeln wir vor allem Wahrnehmungen und Erfahrungen, kommen so zu neuem Wissen (bewusst oder unbewusst), wirken wir so mit unserem Tun in die Umwelt und in die Zukunft, geben wir unser bewusstes Wissen an unsere Kinder als Starthilfe weiter. Und die letzte Konsequenz wäre, wenn wir mit unserem Ableben auch vollständig unser bewusstes und unbewusstes Wissen vollständig an eben jenes Weltwissen weitergegeben hätten. Mission erfüllt!

Ergo?

Wiedergeburt und Jenseitsleben – ob in einem sinnlosen Paradies oder in einer noch sinnloseren Hölle, ergibt in einem sich selbstschaffenden und erkennenden Universum keinen Sinn. Das immer neue und sich fortentwickelnde Leben, das nach Reproduktion und körperlichem Verschleiß auch wieder endet, ist hingegen sinnvoll für eine lernende Evolution (sie ist ja im Grunde nichts anderes als eine nie endend lernende Informationsverarbeitung und konsequenter Umsetzung des jeweils besseren Weges). Unsere Gene, und all jene unserer Vorfahren, leben ohnehin – als Information – in uns und unseren Kindern und Kindeskindern weiter. Was wir ihnen über die Gene, unsere Erziehung usw. sonst noch alles im Unbewussten weitergeben, wissen wir gar nicht.

Man weiß heute, dass nur etwa 10% unserer Gene für das neue Leben benötigt werden… 90% wäre demnach eigentlich nicht benötigter Genschrott, in welchem angeblich die Amöben-, Fisch-, Lurch- Dino- und Affen-Eigenschaften unserer Vorfahren abgeschaltet ruhen.

Es könnte aber auch ganz anders sein. Es könnte z.B. sein, dass unsere Gene unter bestimmten Umständen Viren produzieren. Denn bis heute weiß niemand, woher Viren sonst kommen sollten. Aber wir wissen sicher, dass Viren unsere Körperzellen umfunktionieren und diese zwingen das Virus millionenfach zu klonen.

Andere mögen es anders sehen, aber ich sehe es heute so:

Wer ein körperliches oder gar wiederauferstandenes Leben nach dem Tode verspricht, der muss aus meiner Sicht entweder nicht ganz dicht sein oder ist ein Betrüger mit ganz üblen Absichten gegen die Menschheit. Diese irrsinnigen Glaubensideologien haben zu allen Zeiten sinnlos Ströme von Blut über die Menschheit gebracht und wir müssen nur einen beliebigen Nachrichtenkanal einschalten, um uns von dieser Nichtsnutzigkeit zu überzeugen.

Ich fände es ehrlich gesagt sehr erbärmlich, wahlweise für ewig auf Wolke 7 „Hosianna“ singen zu müssen bzw. in alle Ewigkeit und immer wieder aufs Neue 72 Jungfrauen deflorieren zu müssen – welchen Sinn hätte dieser Sexalptraum in Ewigkeit? Welch erbärmliche Jenseitsvorstellung! Und die Höllenversion finde ich nicht weniger albern, halte sie aber für um Längen abwechslungsreicher als den Himmel, wenn ich mir Dantes Höllenepos “Die göttliche Komödie” dabei vorstelle.

Was man aber nicht ausschließen kann, ist, dass uns ein ewiges Bewusstsein bevorsteht, aufgegangen in einem, wie auch immer gearteten, Weltwissen. Dieses wird nicht als körperloser Geist im All schweben sondern ein an Materie, also ans Universum gebundenes Bewusstsein sein.

Ein bisschen mehr Gewissheit erlangen wir erst, wenn es den Physikern gelingt, die Quantentheorie ohne Wenn und Aber als richtig und wirksam zu belegen. Mit dem erst kürzlich entdeckten sog. Higgs-Boson-Teilchen, welches dem Atomkonstrukt erst seine Masse geben soll, ist man einen großen Schritt in dieser Richtung weiter. Denn es war die Quantentheorie, welche die Forscher erst auf das richtige Gleis setzte und die Suche nach diesem Teilchen, als kleinste Gravitations- und damit Schöpfungseinheit, das deshalb auch ”Gottesteilchen” genannt wird,  forcierte.

Und: Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens stünden ungläubige Materialisten nicht mehr ganz so ratlos vor ihrer Sinnsuche herum. Die Quantentheorie könne z.B. hervorbringen:

  • Was den Frommen ihre „Götter“ sind, wäre in Wahrheit das sich selbst schaffende, schöpferische Weltall selbst, mit all seinen Naturgesetzen, das wahrhaft all-mächtig ist. Wir wissen, wie erwähnt, dass die einzige wirklich wahrnehmbare, schöpferische Kraft im Kosmos die Gravitation ist.
  • Was die Frommen „Seele“ nennen, wäre einfach die Summe all unserer Wahrnehmungen und Erkenntnisse, unser Wissen zu Lebzeiten, also pure Information, welche wir im Augenblick ihres Eingangs in unsere Synapsen auf Quantenebene auch an das Weltwissen abgäben (man erinnere sich der verschränkten Quanten).

Die Summe unserer Informationssammlung, kann sehr viel mehr sein, als wir uns bewusst vorstellen können. Erinnern wir uns der Savants, die ja aufzeigen, dass unser Gehirn eigentlich alles speichert, aber auch wirklich alles was unsere Sinne je registrierten, was wir je ersinnen, je erdenken und je erfinden, auch wenn das Bewusstsein uns nicht auf alles Zugriff gewähren mag.

Bedenke man auch, dass auch Tiere Gehirne besitzen, Empfindungen haben. Außer der Leistung unseres bewussten Gehirns und unserer Sprache: gibt es überhaupt Unterschiede zwischen diesen und uns? Ob – und wenn was – auch Pflanzen empfinden und wahrnehmen können ist nicht vollends erforscht… zumindest scheinen sie Licht von Dunkelheit unterscheiden zu können und haben Strategien zur Fortpflanzung, also Arterhaltung entwickelt.

Bis wir also alles über die Quantentheorie wissen sollten wir vielleicht damit zufrieden sein, wenn wir unser Leben auf ethischer Basis und ohne große Gefahren für Leib und Leben, mit Anstand und im Streben nach Glück und Zufriedenheit auf Erden verleben dürfen. Dabei alle fünf Sinne möglichst weit allem Neuen zu öffnen, zu lernen, zu denken, zu erkennen und zu wirken, kann ja auch kaum von Nachteil sein, selbst dann nicht wenn sich die Quantentheorie samt Weltwissen doch als Flop herausstellen sollten. Dann haben wir wenigstens ein bewusstes Leben geführt, welches wir nach allgemeiner Einschätzung ein gutes und erfülltes Leben nennen dürfen.

In einem aber bin ich mir ziemlich sicher: Es gibt keinen anderen Sinn für das Leben, als es einfach zu leben – wie auch immer.

Epirrhema
von Johann Wolfgang von Goethe

Müsset im Naturbetrachten
Immer eins wie alles achten.
Nichts ist drinnen, nichts ist draußen;
Denn was innen, das ist außen.
So ergreifet ohne Säumnis
Heilig öffentlich Geheimnis!

Freuet euch des wahren Scheins,
Euch des ernsten Spieles!
Kein Lebend’ges ist ein Eins,
Immer ist’s ein Vieles.

Kurt O. Wörl

Nachbetrachtung 10.11.2014:
Die Vorstellung, dass wir alle Wahrnehmungsorgane des Weltganzen seien, lässt es für wahrscheinlich vermuten, dass es dem Weltwissen zu Gute käme, wenn sich der Mensch weiterentwickelt.

Das halte ich für eine narzisstische und auch gefährliche Vorstellung, welche – vor allem in den USA – zu einer neuen Denkrichtung, genannt „Transhumanismus“ geführt hat.

Demnach würde sich der Mensch in Bälde selbst durch Manipulation an seinen Genen, durch technische Verbesserungen seines Körpers und technische Leistungserweiterungen für unser Gehirn zum “besseren Maschinenmenschen”, als Nachfolger des “Homo sapiens sapiens” entwickeln.

Der Mensch, so die Vorstellung, wird sich selbst auf den nächsten Evolutionslevel heben… und voraussichtlich können natürlich nur betuchte Eliten an diesem Evolutionssprung teilhaben. Der Rest der Menschheit würde dann nicht mehr recht viel mehr als eine weitere Affenart darstellen, eine allerdings, die sich in Sklaverei bestens bewähren dürfte – man hat da in den USA ja ein paar Jahrhunderte Erfahrungen gesammelt.

Ich halte Transhumanismus deshalb für Eugenik pur und rassistischer Natur. Er bewegt sich ideologisch sehr nahe am Herrenmenschenideal der Nationalsozialisten – wenn er nicht sogar mit diesem identisch zu nennen ist.

Genutzte Literatur:

  • Ernst Haeckel – Die Welträtsel
  • J.W. Goethe
    – Faust I + II,
    – Wilhelm Meisters Lehrjahre
    – Wilhelm Meisters Wanderjahre
    – Aufsatz: Die Natur
  • Walter Schmidt – Kosmische Gedanken
  • Ulrich Warnke – Quantenphilosophie und Interwelt
  • Ronald Dworkin – Religion ohne Gott
  • Daniel Tammet – Die Poesie der Primzahlen
  • Rudolf Eucken – Sinn und Wert des Lebens
  • Giulia Enders – Darm mit Charme

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